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NEIN zur Chaos-Initiative

  • Autorenbild: Bilaterale unser Weg
    Bilaterale unser Weg
  • 15. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Mai

Unsere Region lebt vom Austausch mit Europa. Ohne internationale Fachkräfte fehlen uns Hände in der Pflege und Köpfe in der Forschung. Wer Grenzen schliesst, gefährdet Wohlstand und Vielfalt.

Health Care professional

Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin twice der Handelskammer beider Basel.


Unsere Region ist das Tor zur Welt. Täglich pendeln rund 70’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger in die Nordwestschweiz, um in unseren Spitälern, Altersheimen, im Detailhandel oder in Labors und Betrieben zu arbeiten. Damit soll ab zehn Millionen Menschen Schluss sein – das fordert die SVP mit ihrer Initiative «Keine 10-Millionen-

Schweiz», über die wir im Juni entscheiden. Eine Weichenstellung, die unsere Region ins Mark treffen könnte. Denn was auf dem Papier nach Ordnung klingt, bedeutet in der Realität ein massives Risiko für unseren Alltag und unsere Wirtschaft. Bundesrat, Parlament, die Konferenz der Kantonsregierungen sowie alle Parteien unserer Region ausser der SVP lehnen das Vorhaben deshalb entschieden ab. Gerade für die Region Basel, die besonders vom Austausch mit den Nachbarländern lebt, wäre die Annahme ein Schock.


BILATERALE SICHERN WOHLSTAND

Die Initiative gefährdet die Personenfreizügigkeit und damit das gesamte Paket der bilateralen Verträge. Besonders kritisch: Das in harten Verhandlungen mit der EU erreichte Stabilisierungspaket Bilaterale III würde torpediert, noch bevor wir in ein bis zwei Jahren darüber abstimmen können. Fällt ein Teil weg, droht wegen der Guillotine-Klausel das Ende der gesamten Zusammenarbeit mit Europa. «Die Kündigung der bilateralen Verträge wäre ein diplomatischer und wirtschaftlicher Scherbenhaufen, der gerade unsere Grenzregion Basel mit unseren vielen kleinen und grossen Unternehmen der Exportwirtschaft hart treffen würde», warnt Elisabeth Schneider-Schneiter, Präsidentin Handelskammer beider Basel. Ohne diese Verträge verlieren unsere Unternehmen den Zugang zum europäischen Markt, was Arbeitsplätze gefährdet.


ZU WENIGE JUNGE ARBEITSKRÄFTE

Hinzu kommt: Die Schweiz altert. Bis zum Jahr 2040 werden etwa 400’000 Arbeitskräfte mehr in Rente gehen, als junge Leute nachrücken. Dieser Trend ist in der Region Basel bereits spürbar – ob beim Handwerksbetrieb in Pratteln oder beim Software-Entwickler in Reinach. «Der demografische Wandel sorgt dafür, dass die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter kaum noch wächst, während immer mehr Personen in Rente gehen», warnt Henrik Budliger, Gründer und Leiter der Beratungsfirma Demografik. Wir sind auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, um unsere Renten zu sichern

und unsere Wirtschaft am Laufen zu halten. «Schon heute sind viele Unternehmen stark auf ausländische Fachkräfte angewiesen – in der Life Sciences-Industrie der Nordwestschweiz stammen rund 70 Prozent der Mitarbeitenden aus dem Ausland, wie unsere neuste Studie zeigt. Jedoch rechnen wir damit, dass die Zuwanderung eher zurückgehen wird: Zum einen

steigen in der Schweiz die Arbeitslosenzahlen und damit die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften. Zum anderen nimmt in Europa wegen der Alterung die Zahl der Erwerbstätigen ab – es stehen also weniger Fachkräfte zur Verfügung», ergänzt Budliger. Besonders betroffen wäre die Industrie. Firmen wie Endress+Hauser sind weltweit

erfolgreich, weil sie die klügsten Köpfe anziehen. «Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir den Zugriff auf Talente aus unseren Nachbarländern. Eine starre Obergrenze wäre eine Fessel für unsere Innovationskraft», betont Dr. Luc Schultheiss, CFO Endress+Hauser Gruppe.


SPITÄLER UND FORSCHUNG AM LIMIT

Ein Blick ins Kantonsspital Baselland zeigt: Ohne Personal aus dem Ausland leidet die Betreuung kranker und älterer Menschen. So stammt im Schweizer Gesundheitswesen fast jede dritte Pflegefachkraft aus dem Ausland. «Schon heute müssen wir uns anstrengen, genügend Fachpersonal für die Pflege und Medizin zu finden. Ohne ausländische Fachkräfte käme es wegen Personalmangel zwangsläufig zu langen Wartezeiten für Behandlungen wie in unseren Nachbarländern», warnt Barbara Staehelin, VR-Präsidentin

Kantonsspital Baselland. Ein Zuwanderungsstopp hätte fatale Folgen für die Qualität der medizinischen Hilfe, auch in der Altenpflege. Auch die Forschung lebt von der Internationalität.

«Spitzenforschung kennt keine Landesgrenzen und lebt von der Vernetzung mit den klügsten Köpfen auf der ganzen Welt. Die Initiative würde den Forschungsstandort Basel isolieren – zum Nachteil für uns alle», sagt Prof. Alexander Schier, Direktor Biozentrum der Universität Basel. Ohne Austausch verliert unsere Region ihre Attraktivität als Innovations-

standort sowie ihren Ruf als weltweiter Hub für Life Sciences und Medizin.


LÖSUNGEN STATT MAUERN

Zuwanderung hat nicht nur positive Seiten und die Sorgen rund um die Zuwanderung müssen wir ernst nehmen. Starre Obergrenzen lösen aber kein einziges Problem. Anstatt uns abzuschotten, müssen wir unsere Hausaufgaben machen: Wir müssen mehr Wohnungen in der Region bauen, den öffentlichen Verkehr zwischen Stadt und Land stärken und die Digitalisierung nutzen, um produktiver zu werden.

Die Chaos-Initiative hingegen bietet keine Wohnung und kein Bahngleis mehr an, sondern entzieht uns die Menschen, die diese Infrastruktur bauen und bedienen. Für die Handelskammer beider Basel ist deshalb klar: Am 14. Juni gibt es nur eine Antwort für eine starke Region Basel: NEIN zur schädlichen Chaos-Initiative!

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