Wirtschaft setzt Zeichen für Bilaterale
- Handelskammer beider Basel
- 20. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Die Industrie- und Handelskammern der wirtschaftsstärksten Regionen der Schweiz appellieren vereint an das Parlament: Die Wirtschaft braucht die Bilateralen.
Erstmals erschienen auf der Seite der Handelskammer beider Basel.

Im Sommer 2025 zogen die Industrie- und Handelskammern der wirtschaftsstärksten Regionen der Schweiz gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern nach Bern, um die Bedeutung der Bilateralen Abkommen mit der EU für die Wirtschaft zu unterstreichen. Die 70 Personen starke Delegation bekräftigte nach einer angeregten Podiumsdiskussion, dass die Wirtschaft die Bilateralen braucht, mit einem gemeinsamen Foto und ihrer Unterschrift. Dieses starke Bekenntnis senden die Industrie- und Handelskammern im Anschluss an alle nationalen Parlamentarierinnen und Parlamentarier, mit dem Aufruf, den erfolgreichen bilateralen Weg zu sichern und weiterzuentwickeln.
Starkes Zeichen setzen
Die Bilateralen sind für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz zentral – sie sichern den Zugang zu Märkten, Fachkräften und Forschungskooperationen. «Kurz vor dem Start der Vernehmlassung zum Vertragspaket mit der EU wollen wir ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der Bilateralen für die Wirtschaft setzen», erläutert Elisabeth Schneider-Scheiter, Präsidentin Handelskammer beider Basel und Nationalrätin Die Mitte Baselland.
Fundament unseres Erfolgs
Die Schweiz verdankt einen grossen Teil ihres Wohlstands den bilateralen Abkommen. Sie garantieren stabile Beziehungen mit der EU, unserer wichtigsten Handelspartnerin: 2023 gingen 59 Prozent des Schweizer Warenhandels in den EU-Raum. Seit Unterzeichnung der Bilateralen I im Jahr 1999 ist das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf in der Schweiz um 25 Prozent angestiegen. «Ohne eine Weiterentwicklung droht die Erosion dieses Erfolgsmodells und Schweizer Unternehmen verlieren den einfachen Zugang zum EU-Binnenmarkt mit seinen 500 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten», so Nicolas Durand, CEO von Abionic.
Zugang zu Fachkräften und Forschung
Die demografische Entwicklung verschärft den Fachkräftemangel in der Schweiz. Bis 2035 könnten der Schweizer Wirtschaft 460’000 Arbeitskräfte fehlen. Die Personenfreizügigkeit hilft, diese Lücke zu schliessen – vorwiegend mit gut ausgebildeten Erwerbstätigen im Alter von 20 bis 39 Jahren. «Der einfache Zugang zu Fachkräften aus der EU ist für unser Unternehmen und für unsere Branche entscheidend», so Carl Illi, VRP CWC Textil AG und Präsident Swiss Textiles. Dank dem Verhandlungsabschluss geniesst die Schweiz mit der EU seit diesem Jahr wieder Zugang zum Forschungsprogramm Horizon Europe – ein wichtiges Signal für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. «Die Beteiligung am grössten Forschungsprogramm der Welt ist zentral, um die Innovationsfähigkeit der Schweiz zu erhalten», bekräftigt Dr. Annette Luther, Head of External Affairs Switzerland, F. Hoffmann-La Roche AG und Präsidentin scienceindustries.
Erfolgreiche Verhandlungen – Schweizer Lösung
Der Bundesrat hat souverän verhandelt und der EU entscheidende Zugeständnisse abgerungen. Alles deutet darauf hin, dass die Schweiz ihre Verhandlungsziele erreicht hat. «Das Ergebnis ist ein ausgewogenes Vertragspaket, das auf die Schweizer Bedürfnisse zugeschnitten ist. Es sichert die privilegierte Teilnahme am EU-Binnenmarkt, den Zugang zu Fachkräften, den einfachen Stromhandel und den Zugang zu den EU-Forschungsprogrammen», erklärt François Pugliese, Präsident der Chambre vaudoise du commerce et de l'industrie. Laut einer Umfrage des gfs-Instituts vom März 2025 befürwortet eine klare Mehrheit der Bevölkerung (64 Prozent) das aktuelle Vertragspaket.
Jetzt ist der Moment
Der bilaterale Weg hat in den letzten 25 Jahren massgeblich zum Wohlstand und zur Lebensqualität der Schweiz beigetragen. Produktivität, Freizeit und Löhne auf allen Stufen sind angestiegen. Der aktuelle Abschluss sichert diese Errungenschaften, bringt Rechtssicherheit und neue Mitwirkungsmöglichkeiten.
Die Schweiz hat in den letzten 25 Jahren in mehreren Volksabstimmungen den bilateralen Weg immer wieder bestätigt. Nun gilt es, die letzte Chance zur Sicherung dieser Erfolgsbasis zu nutzen. Die Industrie- und Handelskammern rufen alle politischen Kräfte auf, Verantwortung zu übernehmen und den Weg in eine stabile wirtschaftliche Zukunft zu ebnen. «Wir profitieren seit über 20 Jahren von den bilateralen Abkommen. Vielleicht haben einige von uns inzwischen vergessen, wie wichtig diese für unsere Unternehmen sind: Unsere Wirtschaft braucht die Abkommen, um sich weiterzuentwickeln. Ohne sie steht ihre Grundlage auf dem Spiel», so Isabelle Harsch, Präsidentin der Chambre de commerce, d'industrie et des services de Genève.



